Collage mit selbstgehäkelten Kuscheltierchen: In der Mitte sitzen eine Frau und ein Jugendlicher am Tisch und zeigen ein kleines gehäkeltes Tier; rundherum sind Nahaufnahmen von gehäkelten Figuren wie Hase, Maus, Schildkröte, Pilz sowie ein rotes Herz.

Wenn ein Hobby plötzlich Türen öffnet: Wie Häkeln zum Karrierefaktor wurde

25. März 2026

Manchmal beginnt eine Erfolgsgeschichte bei der Ausbildungsplatzsuche mit einer ganz einfachen Frage: „Und was machen Sie in Ihrer Freizeit?“

Genau an dieser Stelle geriet Jamiro Röder, einer unserer Teilnehmenden aus der Werkstattschule, im Coachingsgespräch zunächst ins Stocken. Hobbys? Hm. Gute Frage. Fußball? Nein. Fitnessstudio? Auch nicht. Lesen? Eher nicht. Die Liste möglicher Freizeitbeschäftigungen wurde immer kürzer – bis wir gemeinsam beschlossen: Wenn kein Hobby da ist, suchen wir eben eins. Und zwar kein gewöhnliches. Also schlug Frau El-Ghamri ihm etwas vor, das bei Männern eher selten auf Bewerbungsunterlagen auftaucht: Häkeln (die Geschichte der Gründer von myboshi diente als Inspiration).

Der Teilnehmer schaute sie zunächst an, als hätte sie vorgeschlagen, einen Elefanten zu dressieren. Aber er war mutig genug, es einfach auszuprobieren. Aus „Ich probiere das mal“ wurde schnell ein echtes Hobby. Es entstand die erste kleine Figur – ein Krake. Und ganz nebenbei entstand auch etwas anderes: ein Gesprächsthema. Denn genau dieses ungewöhnliche Hobby tauchte später in seiner Bewerbung auf. Beim Vorstellungsgespräch blieb der Betrieb sofort daran hängen. „Sie häkeln? Wirklich?“

Was folgte, war kein trockenes Interview, sondern ein sehr persönliches Gespräch. Es wurde gelacht, nachgefragt, über Kreativität gesprochen – und plötzlich ging es nicht mehr nur um Lebenslauf und Noten, sondern um Persönlichkeit. Das Ergebnis: ein Ausbildungsvertrag. Manchmal sind es eben nicht nur Zeugnisse, die überzeugen, sondern Dinge, die zeigen, wer ein Mensch ist.

Unser Teilnehmer hat sich später auf eine besonders schöne Weise bedankt: Er häkelte für Frau El-Ghamri eine kleine Figur, die ihr bei der gemeinsamen Suche nach Mustern aufgefallen ist– einen kleinen Esel. Jamiro schrieb nicht einfach nur ein Hobby in den Lebenslauf, er setzte sich auch damit richtig auseinander, um bei möglicher Nachfrage überzeugend zu sein.

Die Moral der Geschichte?

Ein originelles Hobby kann mehr sein als nur Zeitvertreib – es kann Gespräche eröffnen und Sympathie schaffen, und manchmal sogar den Weg in eine Ausbildung ebnen. Manchmal hängt die berufliche Zukunft eben an einem einzigen Faden – und ein paar guten Maschen.

 

Text: Agnieszka El-Ghamri
Foto: Andrea Joly-Schnell

Geschlechtergerechtigkeit gehört zu den Grundsätzen unseres Unternehmens. Sprachliche Gleichbehandlung ist dabei ein wesentliches Merkmal. Für den diskriminierungsfreien Sprachgebrauch verwenden wir in Texten den Gender Star bei allen personenbezogenen Bezeichnungen, um alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten einzuschließen. Versehentliche Abweichungen enthalten keine Diskriminierungsabsicht.
Collage mit selbstgehäkelten Kuscheltierchen: In der Mitte sitzen eine Frau und ein Jugendlicher am Tisch und zeigen ein kleines gehäkeltes Tier; rundherum sind Nahaufnahmen von gehäkelten Figuren wie Hase, Maus, Schildkröte, Pilz sowie ein rotes Herz.